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Andreas Fulterer

Andreas Fulterer (Holger Stürenburg, 23./24. August 2007)

Seine ersten musikalischen Sporen verdiente sich der heute (Alter) alte Südtiroler Andreas Fulterer als zweiter Sänger und Gitarrist der beliebten Volkstümler „Kastelruther Spatzen“. Seit ein paar Jahren ist der singende Kosmopolit aus (Ort) jedoch als Solist unterwegs und entfernte sich hierbei immer deutlicher vom unseligen „Humptata und Tätärä“ (Udo Jürgens) der wahrlich nicht unumstrittenen, dafür aber umso erfolgreicheren volkstümlichen Szene.

Inzwischen ist Andreas Fulterer endgültig im klassischen Schlagermetier angekommen; kaum noch etwas erinnert an seine Vergangenheit bei den „Kastelruthern“. Hierfür tragen in erster Linie jene kreativen Köpfe im Hintergrund die Verantwortung, welche Andreas’ musikalische und lyrische Ideen entsprechend umsetzen und zu formidablen Popschlagern, nicht selten mit sachten Discofox-Anklängen verbunden, ausgestalten.

Hier wäre zunächst Andre’ Franke zu nennen. Der plietsche Komponist, der zuvor u.a. für Howard Carpendale, Claudia Jung, Bernhard Brink, Frank Schöbel, Michelle oder Matthias Reim tätig war, kreiert für Andreas Fulterer stets eingängige, meist immens ohrwurmträchtige Melodien, die Herz, Hirn und Bauch gleichermaßen in Wallung versetzen.

Als Texter des sympathischen Südtirolers fungiert niemand geringeres, als Joachim Horn-Bernges. Ihm, dem langjährigen Co-Autor des grandiosen Entertainers Howard Carpendale, der zugleich für Nino de Angelo, Vicky Leandros oder Andreas Martin unvergeßliche Songs schrieb, übermittelte Fulterer seine Gedanken – woraufhin das genialische Multitalent Horn-Bernges diese sogleich in treffliche Reime umsetzte, die mit Andre’ Frankes Kompositionen durchwegs harmonieren – und durch den intensiven Gesang Andreas Fulterers erst so richtig aufleben.
„Im Zug nach Süden“ (Ariola/SONY-BMG) nennt sich das neueste Werk des einstigen „Kastelruthers“, das die großen Begabungen der drei Protagonisten – Franke: Kompositionen, Horn-Bernges: Texte, Fulterer: Gesang – auf perfekteste Weise vereint, und somit eine Vielzahl wunderbarer Schlagermelodien präsentiert.

Mit zwölf brandneuen, mehrheitlich überaus mitreißend und liebenswert ausgefallenen Songs (und einem Bonustrack), wartet „Im Zug nach Süden“ auf. Der Eröffner „Canzone Blue“ etwa stellt nichts anderes dar, als Andreas Fulterers ganz persönliches „Hello Again“; thematisch und inhaltlich nicht weniger aussagekräftig, als jener 1984er-Titel Howard Carpendales, der seinerzeit – ebenfalls unter der kreativen Ägide von Joachim Horn-Bernges – das große Comeback des blonden Südafrikaners, nach fast zweijähriger Schaffenspause, einleiten sollte.

Der Titelsong erzählt eine melancholisch-surreale Geschichte, die dennoch letztlich jedem von uns passieren könnte: Ein Reisender befindet sich „Im Zug nach Süden“. Eine traumhafte Frau sitzt in einem ansonsten menschenleeren Abteil. Der Bahnreisende nimmt gegenüber dieser Frau Platz. Es fallen keine Worte zwischen den beiden, trotzdem entwickeln sie immense Sehnsüchte zu einander. Der Zug rollt weiter in Richtung Mittelmeer. Eine prickelnde Stimmung entsteht in diesem Abteil. Man wechselt kein Wort, trotzdem liegt überbordendes emotionales Flair in der Luft. Bald naht der Heimatbahnhof des Mannes. Er verläßt den Zug... und resümiert, wie es wohl ausgegangen wäre, hätte er diese Frau gen Süden begleitet: „Sonst wäre ich heut vielleicht in Rom / Vielleicht in Rio irgendwo / Ich werd's nie wissen / Und das ist auch besser so“.

Pure Liebeslust, radikale Schwärmerei, offenbart der fetzige Tanzflächenfüller „Du bist Magie“, während die Mid-Tempo-Ballade „Ich kann es gar nicht glauben“ zwar in kompositorischer/harmonischer Hinsicht immense Ähnlichkeiten mit Andy Borgs Spät-90er-Ballade „Seit Du nicht mehr da bist (Angela)“ aufweist, lyrisch jedoch in fragiler Formulierung von einem Mann berichtet, der nach sieben Jahren zufällig am Haus seiner Verflossenen vorbeigeht, Kinder und neuen Ehegatten dieser zu Gesicht bekommt, und sich daraufhin fragt, aus welchen ‚dämlichen’ Gründen er sie ‚damals’ eigentlich verlassen habe, so daß er am liebsten die Uhr zurück drehen und mit seiner einstigen Frau einen Neustart versuchen wollte.

Einen ähnlichen Plot behandelt der klassische Popschlager „Eine Chance für uns“: Das Lied-Ich trifft seine frühere Liebe wieder, erkennt, wie sehr er sie heutzutage noch mag, und erhofft sich eben eine zweite „Chance“ für ihn bei mir: „Denn vielleicht ist es ja / Morgen früh schon zu spät / Weil dann jeder von uns / Seinen eignen Weg geht“.

Besonders grazil und feinfühlig wird es im sentimentalen Schleicher „Wenn er uns nur lieb hat“. Eine Frau trennte sich von ihrem Ex-Mann, einem brutalen Schläger und Säufer, und hat eigentlich jegliche Gefühle ad acta gelegt. Auf einmal trifft sie auf einen Menschen, der ihr glaubhaft Ehrlichkeit, Sicherheit und Treue verspricht. Sie sieht sich zunächst gar nicht in der Lage, ihren beiden Kindern diese neue Liebe zu beichten. Eines Tages, nachdem sie mit ihm bereits ein Jahr zusammen ist, holt sie ihre Sprößlinge zu einem intimen Gespräch zu sich. Sie fragt ihre beiden Kleinen, was diese wohl von einem „neuen“ Vater halten würden – hochgradig ängstlich, die beiden könnten es rundheraus ablehnen, daß ihre Frau Mama, nach all den Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit, mit einem aktuellen Mann auftauchen wolle. Doch die Kinder akzeptieren sofort. Texter Horn-Bernges legt dem Nachwuchs folgende Antwort in den Mund: „Wenn er uns nur lieb hat / ist alles o.k. / Wenn wer für uns da ist / Wenn uns mal was fehlt / Wenn er manchmal nur ein bißchen Zeit hat / Dann wird er der Größte für uns auf der Welt“.

Vermutlich einer der prägnantesten, überzeugendsten und atmosphärischsten lyrischen Ergüsse des Schlagerjahres 2007, der selbst einem „hartgesottenen“, abgeklärten „Gefühlsverweigerer“, wie dem Verfasser dieser Zeilen, ein ums andere Mal die Tränen in die Augen lockt.

Krosse Ohrwürmer, wie „Warum noch warten“ oder „Einer von uns beiden“, anspruchsvolle Mid-Tempo-Popper („Du kannst nicht länger schweigen“) und monumentale Balladen der Sorte „Sempre Tu“ vervollständigen „Im Zug nach Süden“; ein diskothekentauglicher Remix von Andreas’ 2006er-Hit „Der Ring“ beschließt eine über weite Strecken geradezu hervorragende Songkollektion, bei deren Produktion Sänger, Komponist und Texter in schier herrlicher Manier kooperierten, so daß das klangliche Ergebnis – eben vorliegende, 47minütige CD „Im Zug nach Süden“ – das Bestmögliche aufbietet, was alle drei Perfektionisten vorzulegen in der Lage waren!

Gesamtnote: 2 bis 2plus

Linktipps:
www.ariola.de
www.sonybmg.de
www.andreas-fulterer.de

Quelle:
Tobias Reitz
Manager Promotion - Online
SONY BMG MUSIC ENTERTAINMENT (GERMANY) GmbH
Fotos © by Helmuth Rier und Susie Knoll

 

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